Mädchen in Laos

Jahresbericht 2019

Allgemeines

Der Verein Swiss Laos Hospital Project bezweckt die humanitäre, medizinische und finanzielle Unterstützung von Spitälern, von Ärzten und medizinischem Personal sowie von Patientinnen und Patienten in Laos.

Im Berichtsjahr wurden dazu folgende Aktivitäten durchgeführt.

Neues Memorandum of Understanding (MoU)

Dank des Verhandlungsgeschicks und der Hartnäckigkeit von Marion Mönkhoff konnten wir nach langem Hin und Her mit den laotischen Gesundheitsbehörden ein neues MoU für die Jahre 2019 bis 2021 unterzeichnen. Damit ist der juristische Rahmen für alle unsere Tätigkeiten in Laos gegeben und wir verpflichten uns für zwölf definierte Projekte und eine finanzielle Unterstützung von total USD 888‘000 für drei Jahre.

Strategie-Workshop

Strategie-Workshop unter der Leitung von Dr. Alphons Schnyder am 19. Januar 2019

Strategie für die nächsten fünf Jahre

Unter der Leitung von Dr. Alphons Schnyder erarbeiteten jede einzelne Fachgruppe und der Vorstand als Ganzes eine Standortbestimmung und legten Ziele für die nächsten fünf Jahre fest. Damit wollen wir gewährleisten, dass unsere knappen Mittel optimal eingesetzt werden. Der Schwerpunkt soll nach wie vor auf der Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal liegen. Es ist unser erklärtes Ziel, unsere laotischen Partner in die Selbständigkeit zu führen.

Vorstand

Der Vorstand des Swiss Laos Hospital Project setzt sich zusammen aus Elisabeth Bandi-Ott (Hausärzte), Hans Ulrich Bucher (Präsident), Cornelia Gawenda (Finanzen), Jacques Gubler (KSW–Phonsavan), Marion Mönkhoff (Vizepräsidentin; Neonatologie), Claudia Reichmuth (Neonatologie, Pflege), Martin Sauter (IT) und Pierre Villars (Gynäkologie und Geburtshilfe). Er korrespondierte in erster Linie per E-Mail und traf sich am 22. Januar 2019 sowie am 26. August 2019 zu einer Sitzung.

Mitglieder

Es wurden 15 neue Mitglieder aufgenommen, 3 traten aus. Am 31. Dezember 2019 zählt der Verein 139 Mitglieder, davon 3 Ehrenmitglieder (Urs Lauper, Aline Kundig und Peter Neumann) und 16 Mitglieder in Ausbildung.

Einsätze von Freiwilligen

67 Personen aus der Schweiz haben in Laos Einsätze geleistet und insgesamt 1286 Tage dort gearbeitet (davon 26 Personen aus dem KSW mit total 613 Tagen). In der Schweiz wurden mindestens 1486 dokumentierte Stunden unentgeltlich für das SLHP aufgewendet.

Freiwillige des Swiss Laos Hospital Projects am Ende eines Einsatzes

Unsere Freiwilligen waren auch dieses Jahr wieder in ganz Laos im Einsatz und haben viel Dankbarkeit erlebt.

Projekte

HIV-Prävention

Im Rahmen des vom Lotteriefonds finanzierten Projekts zur HIV-Prävention wurden 2019 total 4555 HIV-Tests (Vorjahr: 3’534) durchgeführt, davon 4047 bei Schwangeren (Vorjahr: 3’093). 18 (Vorjahr: 18) dieser Tests waren positiv, davon 12 (Vorjahr: 13) bei Schwangeren. Die HIV-positiven Personen wurden in ein HIV-Zentrum zur kostenlosen Behandlung überwiesen. HIV-positive Mütter mit Säuglingen erhielten zudem gratis Pulvermilch, da sie nicht stillen dürfen, um eine Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind zu verhindern.

Geburtensets

Dieses vom Lotteriefonds finanzierte Projekt ermöglicht eine sichere und saubere Abnabelung, vor allem bei Hausgeburten. 2019 wurden 30‘000 Geburten-Sets zur sterilen Abnabelung in Laos hergestellt und an Spitäler und Health Centers im ganzen Land verteilt.

Nachuntersuchung von ehemaligen Frühgeborenen

In diesem Projekt begleiten wir unsere Frühgeborenen <35 Schwangerschaftswochen bis zum Alter von zwei Jahren: wir sorgen dafür, dass sie alle Impfungen und notwendigen Therapien erhalten, untersuchen den Gesundheitszustand, das Wachstum und ihre Entwicklung.

Eröffnungszeremonie für die neue Pädiatrie im Spital Muang Kham

Feierliche Eröffnung des neuen Pädiatrie-Gebäudes im Kham District Hospital.

Bauprojekte

Mit Hilfe der Claus Cramer-Stiftung und von zwei weiteren Stiftungen konnten wir den Bau einer Kinderstation im Spital Muang Kham, einer Notfallstation in Muang Mok, eines neuen Operationssaals für Kaiserschnitte in Luang Nam Tha und einer neonatologischen Abteilung in Pakse/Champassak finanzieren.

Stipendien zur Weiter- und Fortbildung

Die Hausarztgruppe vergab Stipendien an drei laotische Ärzte und eine Pflegende für Weiterbildungen von 6 Monaten in der Hauptstadt Vientiane. Ausserdem wurden Beiträge an Englisch- und IT-Kurse geleistet.
Eine Ärztin aus dem Mother Newborn Hospital erhielt ein Stipendium für eine zweijährige Weiterbildung in Neonatologie an der Universität Khon Kaen in Thailand.

Austauschprogramm für Studierende

Im Jahr 2019 absolvierten total 21 Schweizer Studierende der Humanmedizin im 5. Jahr ein 1-monatiges Praktikum am Mother and Newborn Hospital (Vorjahr: 15).

Public Relations

Die Kommunikation mit unseren Mitgliedern und Gönnern läuft inzwischen primär über digitale Kanäle. Dadurch können wir nicht nur häufiger und schneller informieren, sondern auch Druck- und Portokosten sparen. Unsere Website www.swisslaos.ch verzeichnete 2019 insgesamt knapp 5’800 Besuche, und wir haben sechs E-Mail-Newsletters an jeweils 350 Abonnenten verschickt. Auch in den Sozialen Medien (Facebook, Instagram, LinkedIn) waren wir kontinuierlich aktiv; auf Facebook folgen uns inzwischen knapp 1’000 Personen. Im Herbst 2019 wurde zudem ein gedruckter Newsletter an 1’500 Adressen verschickt (Vorjahr 2’070). Der traditionelle Fotokalender 2020 wurde in einer Auflage von 250 Stück produziert.

Neugeborenes in Laos

Einer der vielen Patienten unseres Neonatologie-Teams.

Neonatologie

Teams aus Pflegenden, Ärzten und Medizintechnikern waren an folgenden Orten im Einsatz: In Luang NamTha um den neuen Operationsaal und den Neugeborenen-reanimationsraum in Betrieb zu nehmen und die Renovation des restlichen OP-Traktes zu planen. In Sayabouli und Savannaketh um den Neu- respektive Umbau der Abteilungen zu evaluieren und in Xam Neua zum Teaching.

Dr. Paul Hasters war während drei Monaten im Mother Newborn Hospital (MNH) im Einsatz und besuchte von dort aus die Intensivstation für Kinder und Neugeborene im Mahosot Spital in Vientiane und die Provinzspitäler von Champassak (Pakse) und Luang Nam Tha.

Im März bestritten wir in Vientiane einen Workshop für Pflegende und Ärzte aus dem ganzen Land und parallel dazu erstmals ein Programm für Medizintechniker. Dabei konnte Tim Pfaff (Firma Pfaff Medical) den Gebrauch von einfachen Labormessgeräten für Bilirubin instruieren, die dann an die Teilnehmenden zur Verteilung im ganzen Land abgegeben wurden.

Im November fand unser erster Workshop in Kinder-Neurologie über Krampfanfälle (Prof. em. B. Schmitt) und ein zweiter über Beatmung (Dr. F. Ulmer) im MNH in Vientiane statt.

Gynäkologie/Geburtshilfe

Im Mother Newborn Hospital (MNH) wurden total 7073 (Vorjahr 6076) Geburten verzeichnet, wovon 2257 (2144) durch Kaiserschnitt. 881 (814) Neugeborene wurden auf der Neonatologie-Abteilung hospitalisiert.

Dr. U. Kullmer war 6 Wochen im MNH im Einsatz und führte dort eine wöchentliche Perinatal-konferenz und Hygiene-Standards im Operationssaal ein.

HausärztInnen

Im Januar, April, Juli und Oktober 2019 war ein Team von zwei bis drei HausärztInnen in Muang Kham und Nonghet im Einsatz.

Neu eingeführt wurde für das ganze Jahr ein Instruktionsschwerpunkt, dieses Jahr der Symptomkomplex der Atemnot. Dieser wurde in Teilbereiche wie Symptome, Untersuchungsbefunde, Differentialdiagnose, Abklärungsmöglichkeiten und Therapie eingeteilt; alle Gruppen knüpften am Teaching der vorherigen Gruppe an; so wurde dieses grosse Thema vertieft über ein ganzes Jahr behandelt. Dies galt sowohl für die Weiterbildungen an das lokale Spitalpersonal als auch für die Weiterbildung des Personals der Health Centers, die eigens dazu 2 Tage entweder nach Nonghet oder Muang Kham eingeladen wurden und sehr zahlreich erschienen.

Es ist angesichts der spärlichen therapeutischen Möglichkeiten nicht immer einfach, zu erklären, wie wichtig die Befragung, Untersuchung sowie Diagnosestellung bei jedem Patienten ist. Indem immer interaktives Lernen gefördert wurde, waren die Weiterbildungen jedoch lebhaft und lehrreich für alle. Zusätzlich wurden von den lokalen Ärzten eigene Patienten vorgestellt und diese besprochen, sodass auch zum Beispiel Diabetes und Gicht zum Zuge kamen.

Ebenfalls wurde die erste Patientin in der Provinz Xieng Khouang mittels eines mitgebrachten INR-Mess-Gerätes nach ihrer Herz-Operation in Vietnam auf eine orale Antikoagulation mit Coumarinen eingestellt.

Spitalpartnerschaft KSW–Phonsavan

Das Kantonsspital Winterthur unterhält seit 2010 eine eigenständige Partnerschaft mit dem Provinzspital in Phonsavan, um Wissen, Können und Erfahrungen in verschiedenen Spitaltätigkeiten auszutauschen (siehe separaten Bericht).

Schulung in Spitalmanagement

In enger Zusammenarbeit mit dem laotischen Gesundheitsministerium hat Dr. Alphons Schnyder in seinem dritten Einsatzjahr wiederum in ausgewählten Spitälern Kurse zur Führungsschulung durchgeführt. Bislang hat er 450 Kadermitarbeitende in Management und Leadership trainiert. Zudem wurden sie zur Übernahme von mehr Verantwortung im Rahmen der geplanten Spital-Autonomie vorbereitet.

Spital-Management-Workshop mit Alphons Schnyder

Kaderkurse in Spitalmanagement unter der Leitung von Alphons Schnyder in Vientiane.

Geräte und Material

Im März kam wieder ein Schiffscontainer mit medizinischem Material und Geräten, die in der Schweiz nicht mehr verwendet werden, jedoch noch voll funktionstüchtig sind, in Laos an. Er wurde von unseren Helfern vor Ort entladen und der Inhalt auf die verschiedenen Spitäler verteilt.

Unsere Einsatz-Teams haben Laborgeräte in den verschiedenen Spitälern gewartet. Zum Teil brachten sie Reagenzien aus der Schweiz mit, soweit diese nicht in Laos beschafft werden können.

Unterstützung von einzelnen Patienten

Die Kosten für die Operation von Neugeborenen mit schweren, behandelbaren Fehlbildungen wurden übernommen.

Dank

Unser Projekt hat sich seit seiner Gründung durch Urs Lauper vor 20 Jahren zu einem ansehnlichen Unternehmen entwickelt. Es wird getragen durch die vielen Freiwilligen, die ihr Fachwissen und ihre Zeit unentgeltlich einsetzen, und durch die zahlreichen Sponsoren, die uns durch kleinere und grössere finanzielle Beiträge unterstützen.

 

Ihnen allen kann ich versichern, dass wir in Laos von Regierung und Bevölkerung höchste Anerkennung erhalten, weil wir unsere beschränkten Mittel gezielt einsetzen und etwas bewirken.

 

Ein grosses Dankeschön an alle, die uns unterstützen.

12. Mai 2020

Hans Ulrich Bucher

Prof. em. Hans Ulrich Bucher, Präsident

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